Auch wenn sich viele damit alleine fühlen: Fehlgeburten kommen sehr viel häufiger vor als angenommen. Etwa 10 bis 15 % der klinischen Schwangerschaften enden vorzeitig. Die Zeit nach einem Abgang empfinden viele Betroffene als psychisch sehr belastend. Dennoch stellt sich häufig - früher oder später - die Frage nach einer weiteren Schwangerschaft. Viele Frauen sind unsicher, wann es ihnen nach einer Fehlgeburt wieder möglich ist, schwanger zu werden. Auch besteht bei Betroffenen häufig Unsicherheit, ob die Schwangerschaft beim nächsten Mal problemlos verläuft. Um Ihnen die Unsicherheit zu nehmen, gehen wir im Folgenden auf einige offene Fragen rund um das Thema Kinderwunsch nach Fehlgeburt ein.

 

Häufigkeit von Fehlgeburten

Über die exakte Fehlgeburtenrate lässt sich nur schwer Aussage treffen. Grund hierfür ist die große Dunkelziffer: Nicht alle Fehlgeburten werden auch als solche wahrgenommen. So bleiben gerade Fehlgeburten in der frühen Zeit der Schwangerschaft häufig unbemerkt - oftmals wurde die Schwangerschaft noch gar nicht festgestellt. Aber grundsätzlich gilt: Zwischen der fünften und der zehnten Schwangerschaftswoche haben etwa 15 bis 20 % der Schwangeren einen Spontanabort. Am häufigsten (50 %) treten Frühestaborte bereits vor der sechsten Schwangerschaftswoche auf. Mit Fortschreiten der Schwangerschaft wird die Wahrscheinlichkeit eines Abganges zunehmend geringer. Im zweiten Schwangerschaftsdrittel (12. - 24. SSW) kommt es nur noch bei 2 % zu einer Fehlgeburt. Treten wiederholt Spontanaborte auf, spricht man von “wiederholten Spontanaborten” (WSA) oder „recurrent spontaneous abortions“ (RSA). 

 

Kinderwunsch nach Fehlgeburt

Für viele Frauen, die einen Abgang durchleiden mussten, wird der Kinderwunsch nach einer Fehlgeburt ein Thema. 

Es gibt eine Vielzahl an Ursachen, die zu wiederholten Fehlgeburten führen können. Daher gilt es, der Ursache für den Spontanabort auf den Grund zu gehen, um so ggf. das Risiko für einen wiederholten Abort zu minimieren: 

Hormonelle Ursachen

Eine Reihe hormoneller Störungen können für eine Fehlgeburt verantwortlich sein. Eine gestörte Gelbkörperphase, Schilddrüsenfunktionsstörungen oder Eizellreifungsstörungen wie das PCO-Syndrom können Ursache für einen Spontanabort sein. Schwankt die Konzentration bestimmter Hormone oder fehlt gar ein bestimmtes Hormon im Körper völlig, steigt das Risiko eines Spontanaborts. Ist eine hormonelle Störung Ursache für die Fehlgeburt gewesen, so sollte diese vor dem nächsten Schwangerschaftsversuch behandelt werden, um eine erfolgreiche Schwangerschaft zu ermöglichen; ggf. ist in einer Folgeschwangerschaft auch eine hormonelle Unterstützung sinnvoll.

Genetische Ursachen 

Besonders bei frühen Abgängen finden sich häufig genetische Veränderungen der Embryonen. Oftmals handelt es sich dabei um zufällige, neue aufgetretene Fehler in einzelnen Genen oder aber in der Struktur oder Anzahl einzelner Chromosomen. 

Gerade bei wiederholten Spontanaborten ist es daher ratsam, das Abortmaterial genetisch untersuchen und die mütterlichen sowie väterlichen Erbanlagen abklären zu lassen. Im Laufe des Alters nehmen Fehlverteilungen von Chromosomen zudem zu, und zwar vor allem aufgrund des Alterungsprozesses der Eizellen. 

Anatomische Ursachen

Ebenfalls können bisher unentdeckte anatomische Ursachen, wie etwa eine Fehlbildung der Gebärmutter oder Verwachsungen nach Operationen oder durch vorangegangene Fehlgeburten Ursache für einen Spontanabort sein. Meist lassen sich jene anatomischen Ursachen mit einer einfachen Ultraschalluntersuchung oder auch eine Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) feststellen. 

Infektionen

Auch eine fehlerhafte Besiedelung der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) mit Keimen (Mikrobiom) oder gar Infektionen können für ein Einnistungsversagen oder ein verfrühtes Schwangerschaftsende verantwortlich sein. Um die Wahrscheinlichkeit einer intakten Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt zu erhöhen, gilt es, Fehlbesiedelungen oder Infektionen durch Bakterien, Viren oder Pilze auszuschließen. Dafür wird ein Gebärmutterhalsabstrich entnommen und auf Erreger untersucht. Ergänzend erfolgen Blutuntersuchungen (Serologie). Siehe hierzu hier

Immunologische Ursachen

Für einen erfolgreichen Einnistungsprozess und einen ungestörten Schwangerschaftsverlauf ist ein richtig ausbalanciertes Immunsystem essentiell. Sowohl Unter- als auch Überfunktionen können zu Schwangerschaftsverlusten oder Komplikationen im Schwangerschaftsverlauf führen. Problematisch ist es auch, wenn es zu Autoimmunerkrankungen kommt, das Immunsystem also körpereigene Gewebe angreift und sogar Antikörper dagegen bildet.

Um die sich daraus ergebenden Probleme in ihrer Gesamtheit zu erfassen, bedarf es spezieller diagnostischer Verfahren und Funktionstests. Lassen sich hierbei Störungen nachweisen, so gibt es eine Reihe von Therapieansätzen, um einer erneuten Fehlgeburt vorzubeugen  

Thrombophilie (Störung der Blutgerinnung)

Es gibt verschiedene Störungen der Blutgerinnung, im Volksmund als “zu dickes” oder “zu dünnes” Blut klassifiziert. Nicht alle müssen Fehlgeburten begünstigen, einige tun dies jedoch. Auch hier ist eine umfassende Diagnostik angezeigt.

Unser Zentrum blickt auf jahrzehntelange klinische Erfahrungen in der Behandlung von Patientinnen mit wiederholten Spontanaborten zurück. Gemeinsam mit Ihnen wollen wir deshalb herausfinden, welche Ursachen dem zugrunde liegen und Sie vertrauensvoll auf Ihrem Weg in die gelingende Familienplanung unterstützen.