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Schlagwort: TSH-Wert

TSH-Wert bei Kinderwunsch

TSH-Wert bei Kinderwunsch – Mythen, Grenzwerte & Unsicherheiten

Der TSH-Wert ist ein zentraler Laborparameter in der Schilddrüsendiagnostik und spielt auch im Zusammenhang mit Fruchtbarkeit eine wichtige Rolle. Gleichzeitig führt kaum ein anderer Blutwert zu so viel Unsicherheit, Fehlinformation und widersprüchlichen Empfehlungen. Vor allem im Internet kursieren zahlreiche Grenzwerte, Warnungen und scheinbar eindeutige Regeln – oft ohne ausreichende medizinische Einordnung.

Viele Betroffene fragen sich, ob ein bestimmter TSH-Wert eine Schwangerschaft grundsätzlich verhindern kann, ob bereits geringe Abweichungen ein relevantes Risiko darstellen oder ob sofort behandelt werden muss. Dieser Beitrag ordnet verbreitete Mythen ein, erklärt die medizinischen Hintergründe der TSH-Bewertung und zeigt, warum dieser Wert stets im Gesamtzusammenhang betrachtet werden sollte.

Warum es den „einen richtigen“ TSH-Wert nicht gibt

Der TSH-Wert ist kein fest definierter Idealwert, sondern ein Steuerhormon, das die Schilddrüsenaktivität reguliert. Referenzbereiche entstehen aus statistischen Erhebungen in der Allgemeinbevölkerung. Sie beschreiben, welche Werte bei einem Großteil gesunder Menschen gemessen werden – nicht automatisch, welcher Wert für jede einzelne Person optimal ist.

Gerade bei Kinderwunsch spielen zusätzlich individuelle Faktoren eine Rolle, unter anderem:

  • Zyklusstabilität
  • Hormonwerte wie fT3 und fT4
  • mögliche Autoimmunerkrankungen
  • bisherige Schwangerschaftsverläufe
  • Begleiterkrankungen und Medikamente

Aus diesem Grund lässt sich aus einem einzelnen TSH-Wert keine pauschale Aussage über die Fruchtbarkeit ableiten.

Mythos: „Mit einem TSH über 2,5 ist keine Schwangerschaft möglich“

Die oft zitierte Grenze von 2,5 mU/l stammt ursprünglich aus Empfehlungen für bestimmte Risikokonstellationen, insbesondere aus der Frühschwangerschaft und aus der Reproduktionsmedizin. Sie ist kein allgemeines Fruchtbarkeitsverbot.

Eine Schwangerschaft ist auch bei TSH-Werten von 3,0 oder 3,5 mU/l grundsätzlich möglich. Ob eine Behandlung sinnvoll ist, hängt nicht allein vom Zahlenwert ab, sondern vom gesamten hormonellen und klinischen Bild. Der TSH-Wert ist ein relevanter Einflussfaktor auf die Fruchtbarkeit, entscheidet jedoch nie isoliert über eine Schwangerschaft.

Warum TSH allein nicht ausreicht

Der TSH-Wert zeigt lediglich, wie stark die Schilddrüse vom Gehirn zur Hormonproduktion angeregt wird. Er sagt jedoch nichts darüber aus, wie viel Hormon tatsächlich im Körper zur Verfügung steht oder wie effektiv es in den Zielzellen wirkt.

Für eine realistische Einordnung gehören deshalb immer auch:

  • fT3 (aktives Schilddrüsenhormon)
  • fT4 (Speicherform)
  • Schilddrüsen-Antikörper bei Verdacht auf Autoimmunität

Erst dieses Zusammenspiel erlaubt eine medizinisch belastbare Einschätzung der Schilddrüsenfunktion.

Hashimoto und normale TSH-Werte – kein Widerspruch

Eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse wie Hashimoto kann über Jahre bestehen, obwohl der TSH-Wert noch im Normbereich liegt. In dieser Phase liegt keine manifeste Funktionsstörung, aber bereits eine aktive immunologische Veränderung der Schilddrüse vor.

Diese Konstellation kann:

  • lange stabil bleiben
  • schleichend in eine Unterfunktion übergehen
  • hormonelle Schwankungen begünstigen

Auch hier gilt: Der TSH-Wert allein bildet das Geschehen nicht vollständig ab.

Warum Grenzwerte schwanken können

TSH ist ein empfindlicher Laborwert, der auf viele äußere Einflüsse reagiert. Schwankungen können unter anderem entstehen durch:

  • akuten oder chronischen Stress
  • Schlafmangel
  • Infekte
  • Diäten oder starke Gewichtsveränderungen
  • Medikamente
  • Zeitpunkt der Blutabnahme

Ein einzelner abweichender Messwert stellt deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar und sollte bei Unsicherheit kontrolliert werden, bevor therapeutische Konsequenzen erwogen werden.

Grenzwerte bei Kinderwunsch – medizinische Orientierung

In der Kinderwunschmedizin werden häufig engere Zielbereiche für den TSH-Wert verfolgt als in der Allgemeinbevölkerung. Als Orientierung gelten in vielen Zentren vor Auffälligkeiten besonders häufig:

  • ein TSH im Bereich von etwa 1,0–2,5 mU/l
  • eine stabile Lage von fT3 und fT4 im mittleren Referenzbereich

Diese Werte dienen der Risikoabschätzung, nicht als starre Vorgabe. Therapieentscheidungen sollten immer im Zusammenhang mit dem Gesamtbild getroffen werden.

Verunsicherung durch Internet-Mythen

Viele Sorgen entstehen durch pauschale Aussagen wie:

  • „Über 2,5 ist eine Einnistung unmöglich“
  • „Ein minimal erhöhter TSH ist ein Fehlgeburtsgarant“
  • „Man muss den TSH immer sofort senken“

Solche Aussagen sind medizinisch nicht haltbar. Sie reduzieren komplexe hormonelle Zusammenhänge auf einzelne Zahlenwerte und können unnötige Angst erzeugen. Ein leicht erhöhter oder schwankender TSH-Wert bedeutet nicht automatisch eine eingeschränkte Fruchtbarkeit.

Fazit: TSH ist ein wichtiger Wert – aber kein alleiniger Maßstab

Der TSH-Wert ist ein zentraler Orientierungsparameter in der Schilddrüsendiagnostik. Er liefert jedoch nur einen Teil der entscheidenden Informationen. Erst im Zusammenspiel mit fT3, fT4, Antikörpern, klinischen Symptomen und der individuellen Vorgeschichte entsteht eine medizinisch belastbare Entscheidungsgrundlage.

Grenzwerte dienen der Orientierung – nicht der pauschalen Bewertung von Fruchtbarkeit oder Schwangerschaftschancen.

TSH-Wert in der Schwangerschaft

TSH-Wert in der Schwangerschaft – Zielwerte je Trimester und ihre Bedeutung

Bereits sehr früh in der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Schilddrüsenhormonen deutlich an. Eine stabile Schilddrüsenfunktion ist in dieser Phase von besonderer Bedeutung, da der Embryo in den ersten Wochen vollständig auf die mütterliche Hormonversorgung angewiesen ist. Der TSH-Wert dient dabei als zentraler Orientierungsparameter, um die hormonelle Situation der werdenden Mutter einzuordnen.

Warum sich der TSH-Wert in der Schwangerschaft verändert

Bereits kurz nach Einnistung beginnt der Körper, große Mengen des Schwangerschaftshormons hCG zu bilden. Dieses Hormon kann die Schilddrüse stimulieren und dazu führen, dass in der Frühschwangerschaft vermehrt Schilddrüsenhormone ausgeschüttet werden. Infolge dessen sinkt der TSH-Wert bei vielen Frauen vorübergehend ab.

Gleichzeitig steigt der tatsächliche Bedarf an Schilddrüsenhormonen stark an. In den ersten Wochen ist der Embryo vollständig auf die mütterliche Versorgung angewiesen, da die eigene Schilddrüse des Kindes erst ab etwa der 12. bis 14. Schwangerschaftswoche eigenständig arbeitet.

TSH-Zielwerte in der Schwangerschaft – Orientierung je Trimester

Die Referenzbereiche für den TSH-Wert unterscheiden sich in der Schwangerschaft deutlich von denen außerhalb der Schwangerschaft. Als grobe medizinische Orientierung – abhängig von Labor, Methode und Fachgesellschaft – gelten häufig folgende Bereiche:

  • 1. Trimester: ca. 0,1–2,5 mU/l
  • 2. Trimester: ca. 0,2–3,0 mU/l
  • 3. Trimester: ca. 0,3–3,0 mU/l

Diese Werte stellen keine starren Grenzwerte, sondern Orientierungsbereiche dar. Entscheidend ist immer die individuelle Gesamtsituation, einschließlich fT3, fT4, Vorerkrankungen und klinischem Befinden.

Welche Bedeutung der TSH-Wert für die kindliche Entwicklung hat

Schilddrüsenhormone sind wesentlich an der Entwicklung von Gehirn, Nervensystem und Stoffwechsel des ungeborenen Kindes beteiligt. Eine ausgeprägte mütterliche Unterversorgung mit Schilddrüsenhormonen kann die Hirnentwicklung des Embryos ungünstig beeinflussen. Auch der Energiehaushalt des Kindes wird maßgeblich durch die mütterliche Hormonlage mitgeprägt.

In diesem Zusammenhang gilt ein stabil eingestellter TSH-Wert als günstiger begleitender Sicherheitsfaktor für eine ausgewogene hormonelle Versorgung in der Frühschwangerschaft.

Mögliche Risiken bei unbehandelter Schilddrüsenunterfunktion

Liegt während der Schwangerschaft eine unbehandelte oder nicht ausreichend eingestellte Schilddrüsenunterfunktion vor, kann dies mit einem erhöhten Risiko assoziiert sein für:

  • frühe Fehlgeburten
  • Bluthochdruckerkrankungen der Schwangerschaft (z. B. Präeklampsie)
  • Frühgeburten
  • Wachstumsverzögerungen des Kindes
  • Anpassungsstörungen des Neugeborenen

Diese Risiken treten nicht zwangsläufig ein, verdeutlichen jedoch die Bedeutung einer frühzeitigen und stabilen Diagnostik.

Warum die Werte regelmäßig kontrolliert werden

Da sich der Hormonbedarf im Verlauf der Schwangerschaft dynamisch verändert, reichen Einzelmessungen häufig nicht aus. In vielen Fällen werden die Schilddrüsenwerte deshalb häufig im Abstand von etwa 4–6 Wochen kontrolliert. Bei bekannter Schilddrüsenerkrankung, nach IVF/ICSI oder bei Autoimmunerkrankungen kann eine noch engmaschigere Überwachung sinnvoll sein.

L-Thyroxin-Dosisanpassung in der Schwangerschaft

Bei Frauen mit bekannter Schilddrüsenunterfunktion wird die Dosierung von L-Thyroxin nach Eintritt der Schwangerschaft häufig angepasst. Der gesteigerte Hormonbedarf kann dazu führen, dass eine zuvor stabile Dosierung nicht mehr ausreicht. Ziel ist dabei stets eine individuelle Einstellung auf Basis wiederholter Laborkontrollen.

Besonderheiten bei Hashimoto in der Schwangerschaft

Liegt eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse wie Hashimoto vor, ist eine engmaschige Kontrolle besonders wichtig. Neben den klassischen Schilddrüsenwerten werden häufig auch die Antikörper berücksichtigt. Erhöhte Antikörper werden mit einem erhöhten Fehlgeburtsrisiko in Zusammenhang gebracht und können Hinweise auf einen schwankenden Hormonbedarf liefern.

Auch hier gilt: Eine stabile hormonelle Einstellung kann die Verlaufsstabilität der Schwangerschaft unterstützen, ersetzt jedoch keine individuelle ärztliche Betreuung.

Bedeutung des TSH-Werts nach IVF und ICSI

Nach einer assistierten Befruchtung gelten dieselben hormonellen Anforderungen wie bei einer natürlich entstandenen Schwangerschaft. In vielen Fällen wird der TSH-Wert hier besonders eng überwacht, da bereits vor der Behandlung ein enger Zielbereich angestrebt wurde. Eine stabile Schilddrüsenfunktion kann dazu beitragen, frühe hormonelle Anpassungsprozesse besser abzufedern.

Fazit: Der TSH-Wert ist ein wichtiger begleitender Faktor in der Schwangerschaft

Der TSH-Wert verändert sich in der Schwangerschaft auf natürliche Weise und dient als zentraler Orientierungswert für die Schilddrüsenfunktion. Eine stabile Einstellung kann unterstützen:

  • die hormonelle Versorgung des Kindes
  • die Anpassung des mütterlichen Stoffwechsels
  • einen komplikationsarmen Schwangerschaftsverlauf

Sie kann dazu beitragen, das Risiko bestimmter Schwangerschaftskomplikationen zu senken, ersetzt jedoch nie die individuelle ärztliche Betreuung.

TSH-Wert bei Kinderwunsch

TSH-Wert und künstliche Befruchtung (IVF & ICSI) – warum stabile Werte entscheidend sind

Im Rahmen einer künstlichen Befruchtung werden zahlreiche hormonelle Faktoren gezielt überprüft. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem TSH-Wert zu. Denn auch bei moderner Reproduktionsmedizin beeinflusst die Schilddrüsenfunktion die Reifung der Eizellen, die Einnistung des Embryos und den frühen Schwangerschaftsverlauf. Ein ausgewogener TSH-Wert gilt deshalb als wichtige Voraussetzung für stabile hormonelle Rahmenbedingungen vor und während einer IVF- oder ICSI-Behandlung.

Warum der TSH-Wert vor einer IVF oder ICSI kontrolliert wird

Die Schilddrüsenhormone wirken auf nahezu alle Zellen des Körpers – und damit auch auf zentrale Prozesse der Kinderwunschbehandlung, wie sie auch beim Mann eine Rolle spielen, siehe TSH-Wert bei Männern. Sie beeinflussen unter anderem:

  • die Reifung der Eizellen
  • den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut
  • die hormonelle Reaktion auf die Stimulation
  • die frühe Embryonalentwicklung

Ein ungünstig eingestellter TSH-Wert kann diese Prozesse beeinflussen. Deshalb gehört die Bestimmung des TSH-Werts in vielen Kinderwunschzentren zur Standarddiagnostik vor Beginn einer IVF- oder ICSI-Behandlung.

Welcher TSH-Zielwert vor IVF und ICSI angestrebt wird

Während in der Allgemeinbevölkerung oft ein weiter Referenzbereich als normal gilt, wird im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung meist ein engerer Zielbereich angestrebt. Häufig gilt:

  • Angestrebter TSH-Zielwert vor Behandlungsbeginn: etwa 1,0–2,5 mU/l

Der Grund dafür liegt darin, dass bereits geringfügige Abweichungen im oberen Normbereich in Einzelfällen:

  • die Eizellqualität beeinflussen können
  • die Einnistungswahrscheinlichkeit negativ beeinflussen können
  • mit einem erhöhten Risiko für frühe Schwangerschaftsverluste assoziiert sein können

Ein möglichst stabil eingestellter TSH-Wert gilt daher als günstiger Einflussfaktor für den Verlauf der Stimulation und den späteren Embryotransfer.

Bedeutung für die Gebärmutterschleimhaut und die Einnistung

Nicht nur die Eizellen, sondern auch die Gebärmutterschleimhaut wird durch Schilddrüsenhormone beeinflusst. Ein ungünstig eingestellter TSH-Wert kann:

  • den Aufbau der Schleimhaut verzögern
  • die Durchblutung des Endometriums beeinträchtigen
  • die Einnistungsbereitschaft reduzieren

Damit kann selbst bei guter Embryoqualität die Wahrscheinlichkeit sinken, dass sich der Embryo erfolgreich einnistet.

TSH-Wert und frühe Schwangerschaft nach Embryotransfer

Nach erfolgreicher Einnistung verändert sich der hormonelle Bedarf sehr früh. Bereits in den ersten Schwangerschaftswochen steigt der Bedarf an Schilddrüsenhormonen deutlich an. Ist die Schilddrüsenfunktion zuvor nicht stabil eingestellt, kann dies mit einem erhöhten Risiko einhergehen für:

  • frühe Schwangerschaftsverluste
  • hormonelle Instabilitäten in den ersten Wochen
  • Anpassungsschwierigkeiten der Schilddrüse an die Schwangerschaft

Aus diesem Grund wird der TSH-Wert häufig auch nach dem Embryotransfer engmaschig kontrolliert und bei Bedarf angepasst.

Was passiert bei auffälligem TSH-Wert vor Behandlungsbeginn?

Wird vor einer IVF oder ICSI ein auffälliger TSH-Wert festgestellt, bedeutet dies nicht automatisch eine langfristige Verzögerung der Behandlung. In vielen Fällen kann:

  • eine Anpassung der Medikation erfolgen
  • der Wert innerhalb weniger Wochen stabilisiert werden
  • anschließend regulär mit der Behandlung begonnen werden

Ziel ist dabei keine „Perfektion“, sondern eine möglichst stabile hormonelle Ausgangssituation, die die Erfolgsaussichten bestmöglich unterstützt.

Bedeutung bei gleichzeitiger Autoimmunerkrankung

Liegt zusätzlich eine Schilddrüsen-Autoimmunerkrankung wie Hashimoto vor, wird die TSH-Einstellung besonders sorgfältig überwacht. Erhöhte Antikörper werden mit einer Beeinträchtigung der Einnistung, einem erhöhten Risiko für frühe Aborte sowie mit Veränderungen des Hormonbedarfs in der Frühschwangerschaft in Zusammenhang gebracht.

Deshalb fließen bei IVF und ICSI häufig nicht nur der TSH-Wert, sondern auch die Antikörperwerte in die Gesamtbeurteilung mit ein.

Fazit: Der TSH-Wert ist ein zentraler Einflussfaktor bei IVF und ICSI

Ein möglichst stabil eingestellter TSH-Wert gilt als günstiger Einflussfaktor für:

  • eine gute Reaktion auf die hormonelle Stimulation
  • einen stabilen Aufbau der Gebärmutterschleimhaut
  • eine erfolgreiche Einnistung
  • einen sicheren frühen Schwangerschaftsverlauf

Schon leichte Abweichungen können in Einzelfällen die Erfolgsaussichten beeinflussen – begleitende Möglichkeiten beschreibt der Beitrag TSH wert beeinflussen – Ernährung, Stress & Lebensstil. Deshalb gehört die Schilddrüsendiagnostik heute zu den festen Bausteinen der modernen Kinderwunschbehandlung.

TSH-Wert bei Männern mit Kinderwunsch

TSH-Wert bei Männern mit Kinderwunsch – Einfluss auf Spermien & Fruchtbarkeit

Beim Thema Schilddrüse denken viele zunächst an den weiblichen Zyklus. Dabei spielt die Schilddrüsenfunktion auch beim Mann eine wichtige Rolle für die Fruchtbarkeit. Der TSH-Wert beeinflusst über die Schilddrüsenhormone unter anderem den Testosteronspiegel, die Spermienbildung und die sexuelle Funktion. Abweichungen können den Kinderwunsch daher auch beim Mann erschweren – häufig unbemerkt, da typische Beschwerden oft unspezifisch sind.

Welche Rolle die Schilddrüse beim Mann spielt

Die Schilddrüsenhormone beeinflussen beim Mann zahlreiche körperliche Abläufe, die direkt oder indirekt mit der Fruchtbarkeit verknüpft sind. Dazu gehören unter anderem:

  • der Energie- und Stoffwechsel
  • die Hodenfunktion
  • die Testosteronproduktion
  • die Spermienreifung
  • Libido und Erektionsfähigkeit

Eine ausgewogene Schilddrüsenfunktion ist damit eine wichtige Voraussetzung für eine stabile männliche Fruchtbarkeit. Der TSH-Wert steuert dabei indirekt, wie aktiv die Schilddrüse arbeitet und wie viele wirksame Schilddrüsenhormone dem Körper zur Verfügung stehen.

Zusammenhang zwischen TSH-Wert und Testosteron

Schilddrüsenhormone stehen in enger Wechselwirkung mit den männlichen Sexualhormonen. Sowohl eine Unterfunktion als auch eine Überfunktion der Schilddrüse können:

  • den Testosteronspiegel verändern
  • das hormonelle Gleichgewicht zwischen Androgenen und Östrogenen verschieben
  • die Spermienproduktion beeinträchtigen

Ein ungünstig eingestellter TSH-Wert kann daher indirekt mit einer hormonell bedingten Einschränkung der Fruchtbarkeit in Zusammenhang stehen.

Auswirkungen auf die Spermienqualität

Abweichungen der Schilddrüsenfunktion können verschiedene Messwerte der Samenanalyse beeinflussen, zum Beispiel:

  • die Spermienkonzentration
  • die Beweglichkeit (Motilität)
  • die Form der Spermien (Morphologie)

Mögliche Folgen können eine verminderte Befruchtungsfähigkeit, eine verlängerte Zeit bis zum Eintritt einer Schwangerschaft sowie reduzierte Chancen auf eine natürliche Empfängnis sein. Diese Zusammenhänge sind vielen Betroffenen nicht bewusst, da Symptome einer leichten Schilddrüsenstörung beim Mann häufig unspezifisch verlaufen.

Typische Beschwerden bei auffälligem TSH-Wert

Ein ungünstig eingestellter TSH-Wert kann sich beim Mann unter anderem bemerkbar machen durch:

  • anhaltende Müdigkeit
  • Leistungsabfall
  • Gewichtszunahme oder -abnahme
  • Kälte- oder Hitzeempfindlichkeit
  • nachlassende Libido
  • Erektionsstörungen

Solche Beschwerden werden im Alltag häufig anderen Ursachen zugeschrieben und nicht direkt mit der Schilddrüse in Verbindung gebracht.

Warum der TSH-Wert oft nicht routinemäßig geprüft wird

In der klassischen Abklärung der männlichen Fruchtbarkeit liegt der Fokus meist auf dem Spermiogramm, dem Hormonstatus wie Testosteron, FSH und LH sowie auf der Ultraschalluntersuchung der Hoden. Die Schilddrüsenwerte werden dabei nicht immer automatisch mit untersucht – obwohl sie einen relevanten Einflussfaktor darstellen können, insbesondere im Zusammenhang mit Schilddrüsen-Autoimmunität.

Gerade bei unauffälligem Spermiogramm und dennoch ausbleibender Schwangerschaft kann die Schilddrüse eine bislang unerkannte Rolle spielen.

Wann eine Schilddrüsenuntersuchung beim Mann sinnvoll ist

Eine Bestimmung des TSH-Werts sowie weiterer Schilddrüsenparameter kann insbesondere sinnvoll sein bei:

  • unerfülltem Kinderwunsch ohne klare Ursache
  • eingeschränkter Spermienqualität
  • deutlichen Libido- oder Potenzstörungen
  • ausgeprägter Müdigkeit oder Leistungsabfall
  • bekannten Schilddrüsenerkrankungen in der Familie
  • bereits bekannten grenzwertigen Hormonbefunden

In vielen Fällen liefert die ergänzende Schilddrüsendiagnostik wichtige Zusatzinformationen für die Gesamtbeurteilung der Fruchtbarkeit.

Bedeutung bei IVF und ICSI

Auch wenn der männliche Faktor im Rahmen einer IVF oder ICSI technisch teilweise kompensiert werden kann, bleibt die Schilddrüsenfunktion weiterhin relevant, wie auch im Beitrag TSH-Wert & künstliche Befruchtung (IVF & ICSI) erläutert wird. Ein ausgeglichener Hormonhaushalt kann:

  • die Ausgangsqualität der Spermien positiv beeinflussen
  • die Stabilität des Testosteronspiegels unterstützen
  • das allgemeine körperliche Befinden während der Behandlungsphase fördern

Eine unbehandelte Schilddrüsenstörung kann dagegen auch im Rahmen einer assistierten Befruchtung einen zusätzlichen Belastungsfaktor darstellen.

Fazit: Auch beim Mann ist der TSH-Wert ein relevanter Fertilitätsfaktor

Der TSH-Wert beeinflusst beim Mann über die Schilddrüsenhormone sowohl den Testosteronspiegel als auch die Spermienqualität. Abweichungen können den Kinderwunsch unbemerkt erschweren – selbst dann, wenn klassische Spermiogrammwerte zunächst unauffällig erscheinen.

Eine ergänzende Schilddrüsendiagnostik kann deshalb ein sinnvoller Baustein in der umfassenden Abklärung männlicher Fruchtbarkeit sein.